Unkraut


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Das Leben einer Schnecke auf einem winzigen Unkrautflecken inmitten grauen Steins: Was ihr wundersam und paradiesisch erscheint, ist Straßenbauern Anlass zu letzten Ausbesserungsarbeiten an einer riesigen Plattenfläche. Auf die Bedrohung ihres Lebens reagiert die Schnecke auf ungewöhnliche Weise.

Im zweiten Studiensemester entwickelte Thomas Stellmach die Geschichte seines 5-minütigen Zeichentrick-Filmes UNKRAUT. Stellmach nutzte zum Teil Rotoskopie, um die realistischen Bewegungen der Baumaschinen und des Plattenlegers zu erzielen, filmte diese ab und zeichnete sie am Tricktisch nach. Mit Hilfe einfarbig, grauer Farbe verstärkte er die bedrohlich, kalte und gefühlslose Betonwelt. Für eine Einstellung baute Stellmach eine kleine Wiese aus Papier, nahm sie bei ihrer Drehung auf und übertrug ebenso ihre Kontur auf Papier. Die Schnecke selbst animierte der Regisseur frei Hand, um die friedliche und vergnügliche Welt der Schnecke zu akzentuieren. Um den typischen flachen Bildeindruck entgegenzuwirken, konstruierte Stellmach bewegliche Multiplan - Ebenen (Disney), um Tiefen(un)schärfe zu erzielen. Teilweise mussten neun Kurbeln Bild für Bild per Hand gedreht werden, um eine Kamerfahrt (siehe Ausschnitt!) oder Wolkenbewegungen zu simulieren. Die Bildaufnahme der 4500 per Hand kolorierten Trickfilmfolien erfolgte am Tricktisch und benötigte vier Wochen. Sechs Geräuschbänder wurden schließlich zusammen mit der Musik von Edgar Knecht gemischt.

 

Filmpreise:

Prädikat „besonders wertvoll“, Filmbewertungsstelle Wiesbaden
Diese Erstlingsarbeit überzeugt auf Anhieb. Dem Film gelingt mit zeichnerischen dynamischen Mitteln, eine Metapher für die Bewahrung der natürlichen Umwelt zu formulieren. Die unaufhaltsame Betonierung der Umwelt bildet den kritischen Ansatzpunkt, um bewusst zu machen, wie noch die letzten Reste der Natur in unseren Städten zugebaut werden. Der Film ist ein Appell für die Erhaltung ökologischer Vielfalt in unseren Städten, Natur wird hier symbolisiert durch Unkraut, das sich gegen seine Vertilgung wehrt. Der Film  zeichnet sich durch unkonventionelle zeichnerische Qualität und ästhetischen Charme aus.

Goldmedaille, Int. Festival des nicht-professionellen Films (UNICA) 1991, St. Gallen / Schweiz

Bester Animationsfilm Film und Video 1995, Badalona / Spanien

Filmrolle "Best of Ottawa 92", Int. Trickfilm Festival Ottawa, Kanada

2. Publikumspreis, Studentenfilmtage 1991, Babelsberg

Präsentation auf der Welt-Umwelt-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro, Brasilien

Ankauf für die amerikanische Trickfilmshow "Animation Celebration" (Herausgeber: Terry Thoren)

 

Credits:

Idee, Regie und Animation
THOMAS STELLMACH

Koloristen
ANDY HUBER
THOMAS LOOSE
DIANA MÜLLER
MONIKA STELLMACH
OMA STELLMACH
EIKO UTZ

Musik
EDGAR KNECHT

Ton
THOMAS STELLMACH

Technische Unterstützung
KAZIMIERZ BENDKOWSKI
NORBERT HOBRECHT
PETER LEMKEN
SIEGFRIED WOLF
H.P. WEINZIERL

Projektbetreuung
PAUL DRIESSEN, KUNSTHOCHSCHULE KASSEL